I don’t have the drugs to sort it out.

op

 

Das mit dem Schreiben, das läuft manchmal nicht. Wenn die Stille um sich boxt und die Ereignisse Purzelbäume schlagen. Der Optimismus, das positive Denken, das liegt mir manchmal nicht. Das macht sich gerne selbstständig. Verflüssigt sich, gleitet durch zwei Finger abwärts, sickert in den Erdboden, verschwindet spurlos. Taucht irgendwann einfach wieder auf, wenn man nicht damit gerechnet hat. Man kann es nicht immer einfach bei sich behalten.

 

Den eigenen Kopf in Watte packen, einfach abtauchen. Vollnarkosen sind voll mein Ding. Sich ausgeliefert fühlen auf einem eiskalten OP-Tisch, die Beine aufgestellt, die Infusionsnadel im Arm, die Atemmaske vor dem Gesicht, „Jetzt atmen Sie einfach mal tief ein und aus“, einatmen, ausatmen, weg. Aufwachen, von sehr weit weg sagt jemand meinen Namen. Alles gut gegangen, alles wie es soll. „Ihr Mann kann Sie jetzt abholen.“ Der Mann holt mich jetzt ab. Zuhause nur Leere im Kopf. Zuhause plötzlich die Erinnerung an das letzte Mal Krankenhaus, vor einem Jahr, die letzte Narkose. Die Erleichterung, endlich wegzudriften, nicht miterleben zu müssen, wie der tote Embryo aus dem eigenen Unterleib gelöffelt wird. So weit weg alles, eigentlich, und doch noch ganz schön nah. Some infinities are bigger than others. Die knopfäugige Praktikantin, mit starrem Blick in der Ecke stehend, den Blick zwischen meine Beine geheftet, während drei Ärzte unabhängig voneinander bestätigen, dass da nichts mehr zu retten ist. Die schwarzen Knopfaugen, die regelmäßig nachts in meinen Träumen auftauchen, mich anstarren, mich mustern, stumm und emotionslos, einfach nur da. Kein Herzschlag, alles wie gewohnt. Aufwachen, schnell vergessen.

 

Es ist ja nicht so, dass man unbedingt traurig sein muss. Die Schlacht ist ja immer nur so mittelverloren. Wir geben nicht auf, wir geben nur ab. Atemberaubende Akrobatik, um die Kurve zur Hinwendung zum Ganzen zu kriegen. Jeden Tag aufs Neue die schmerzhafte Konfrontation mit den eigenen Unzulänglichkeiten erleben, als sei das eine Serie, von der es keine Folge zu verpassen gilt. Jeden Tag positiv erleben, das Leben ist so nett zu uns, man muss es auch so wahrnehmen, dann kommt das schon alles hin, dann geht die Rechnung auf, bis auf die allerletzte Nachkommastelle. Alles korrekt, wenn auch nur im Inkorrekten. Das ist das Gute an Glück: Es verlangt, gefühlt zu werden.

 

Vergiss doch mal alles, was du weißt. Steh doch mal morgens auf und fang nochmal von vorne an. Mach doch einfach mal das, was du willst. Sitz nicht immer nur daneben. Sei nicht immer der Schwarzfahrer in deinem eigenen Leben. Such nicht die richtigen Lösungen in den falschen. Hör auf mit der permanenten Selbstzensur. So hast du dir das alles nicht vorgestellt, aber du hast keine Wahl mehr. Das Leben als Wunschkonzert, nur mit der falschen Band.

 

Die Narkose, der blaue OP-Kittel, die Infusionsnadel. Die Infusion, in den Arm laufend. Tropf, tropf, tropf. Positives Denken, die flüssige Version, jetzt bitte. Die Gelegenheit für eine intravenöse Verabreichung – nie war sie günstiger.

 

Wenn es doch so einfach wäre.

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