Random stranger at a glory hole

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Ich lege meinen Körper auf die oberste Stufe der Treppe meines Bewusstseins. Keinen Schritt weiter. Irgendjemand ist immer da, der dich über die Schwelle stoßen will. Irgendjemand ist immer da, der dir sagen will, was du zu fühlen hast. Irgendjemand weiß immer besser als du, was gut für dich ist.

Der Sturm hat sich gelegt. Der November kommt und bleibt und ich bemerke es kaum. Ich bin so wach, innendrin, alles ist so aufgedreht, alle Sinne, alle Körperfunktionen, alles funktioniert, irgendwie, mehr als nur irgendwie. Es ist okay, sagt der Kopf, sagt der Bauch, sagt das Herz. Es ist in Ordnung, es ist mehr als das. Die Augen offen für die Welt.

Man vergisst so leicht, was man hat, wenn man sich nur darauf fokussiert, was man nie haben wird. Man vergisst so leicht, wie glücklich sein geht, wenn man es gar nicht sein will. Man vergisst so leicht, wie man zwischen Fremden und Freunden unterscheidet, wenn Fremde so gut zuhören. Man erschrickt so leicht vor der eigenen Tristesse, die sich unter die Haut setzt und sich nur mühsam wieder abstreifen lässt. Man wird so schnell müde bei dem Versuch, sich wieder gut zu fühlen.

Es kann so einfach sein, glücklich zu sein. Und so schwer, sich von Träumen zu trennen, Pläne einfach umzuschreiben, ein leicht dahingesagtes „Dann eben nicht“, kein trotziges, eher ein schulterzuckendes, ein resignierendes, ein „Dann eben nicht“, das weiß, da gibt es noch mehr, das man planen kann, finge man nur ein Mal damit an.

Alles ist so normal. Der November ist ein trister Monat, in jedem einzelnen Jahr, er ist zuverlässig, er enttäuscht uns nie. Winter is coming. Alles ist grau, so grau wie es innendrin so lange aussah, so hängen jetzt die Wolken tief und schwer über der Stadt, es ist dunkel und nass, die Menschen husten vor sich hin und ärgern sich über volle Lebkuchenregale im Supermarkt, die den Weg zu den hochprozentigen Alkoholika versperren. Mützen werden über Köpfe gestülpt, Schals um Hälse gewickelt, Nasen in Taschentüchern vergraben.

Und ich stehe mittendrin und irgendwie kümmert es mich kaum. Mein eigener, persönlicher Winter, er war so lang, er hinterlässt tiefe Spuren in meinem Kopf und Furchen um meine Augen. Kleine Eiszapfen zwischen meinen Wimpern als tapfere Zeitzeugen. Ich bin nicht müde, ich bin hellwach. Es kann so einfach sein, glücklich zu sein. 

In the midst of winter, I found there was, within me, an invincible summer.“ Albert Camus.

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2 Gedanken zu “Random stranger at a glory hole

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