I’m the ghost in the back of your head

6b54439125247d4b4a5d1449b6bb4feebbbfe12d_m

 

Am Beckenrand stehen und ins Wasser sehen und dann ist da nichts. Keine Bewegung. Die Oberfläche ruhig. Keine Wellen. Keine Kreise. Keine Steine ins Wasser werfen wollen, weil dann alles schwankt. Den Fuß knapp über die Oberfläche halten, was würde Jesus tun, der würde einfach losgehen, der kann das ja auch. Was würden wir tun, wir bleiben einfach stehen, ratlos, balancierend, den Fuß zurück auf den Boden setzend. Aus Angst davor, Kartenhäuser zum Einsturz zu bringen, wo sie doch längst in sich zusammengefallen sind, wo das, was wir sehen, längst nur leeres Licht ist.

Innendrin beständiges Zittern, ich habe es angenommen, vielleicht gehört es dazu jetzt, für immer. Träume von Blutströmen zwischen Oberschenkeln und toten Zwergen in Handflächen, Fieberträume ohne Fieber, ohne Schwitzen, morgens aufstehen und sagen: Mir geht es gut, und es auch so meinen, ohne zu wissen, was heißt das eigentlich. Zurückdenken an den Tag, an dem man die festgefahrenen Lebenspläne über den Haufen warf, fast zwei Jahre ist es her, dass ich dachte: Das machst du jetzt so. Jetzt, sofort vielleicht. Fast zwei Jahre, und dann passiert fast nichts, und die Zeit reibt deine Nerven in feine Späne, leise wirbeln sie umher, fallen zu Boden, treten sich fest, bilden sich neu, fallen zu Boden, treten sich fest. Ich kann nicht immer lachen und denken, irgendwann, da kommt der Tag, ich kann nicht immer sagen, alles ist gut, auch wenn es vielleicht so ist, ich kann nicht immer nicken und lächeln, wenn du sagst, wie schön unser Leben ist. Ich kann der Illusion keinen Raum mehr geben, ich kann keine Kaninchen aus Hüten zaubern.

Ich bin müde geworden, die Tage zu zählen, die Stunden, die Wochen, die ich damit zubringe, das Gewitter in meinem Kopf zu zähmen, das Gewitter, das alles lahmlegt, wenn es ausbricht, liege ich im Dunkeln wach, auch wenn vor dem Fenster die Sonne scheint. Wenn das Leben sich abspielt, genau so, wie es soll, wenn ich denke, dass alles gut sein könnte, wären da nicht die vielen Erwartungen. Erwartungen, die sich immer nur in anderen Häusern, in anderen Leben, in anderen Köpfen erfüllen. Erwartungen, die in meinem Kopf nur Schmerzen verursachen, kleine Gespenster in weißen Gewändern, die von innen gegen den Schädel boxen, die mich auslachen, wann genau habe ich eigentlich angefangen zu glauben, ich könne ein ganz normales Leben führen so wie alle anderen auch.

Alle sagen: Nicht so viel nachdenken, ich sage: Danke für den Hinweis, obwohl ich sagen will: Halt doch einfach mal die Fresse. Was weißt du schon darüber, wie das alles ist. Du weißt nichts über Gespenster im Kopf. Wie kannst du es auch wissen, wo du doch niemals fragst. Wo doch in deinem Kopf immer nur Rosen und Maiglöckchen im Wind schaukeln. Erklär mir doch lieber mal, wie das geht, nicht zu denken, anscheinend kannst du das außerordentlich gut, also sag doch mal, wie machst du das.

Die Oberfläche kann nicht ruhig bleiben, wenn überall bunte Blätter von Bäumen fallen und auf dem Wasser treiben. Kleine Schiffe, die uns nirgendwo hinbringen. Die Blätter fallen und schwimmen, saugen sich voll, sinken, verschwinden. Die Gespenster in meinem Kopf rebellieren, ich möchte vornüber kippen, sie im kalten Wasser ertränken, aber ich bleibe stehen und starre, schlage meine Nägel in deinen Arm und warte. Warten, das Wort des Jahres. Auf was überhaupt. 

 

 

*(Bild via thisisnthappiness.com)

Advertisements

3 Gedanken zu “I’m the ghost in the back of your head

  1. Du sollst nicht aufhören zu denken oder weniger denken. Du sollst das Richtige denken. Meinethalben auch das richtige Denken lernen, bevor du es denkst. Man muss schon die Geisteshaltung ändern um das Denken zu ändern… da hilft kein Zaudern am Rand des Meers….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s