The perks of being a housewife

Morgens aufstehen und dem Mann Kaffee machen als einzige feststehende Handlung des Tages: Alle anderen Aktivitäten sind unbekannte Variablen in einer Gleichung, die kein eindeutiges Ergebnis hat. Das Überraschungsei als Vorbild meiner Lebensplanung, die in geschwungenen Buchstaben mit Füller geschriebene Headline meiner Existenz.

Wie es mir geht, fragen ständig alle, ein wenig so, als hätte man mir einen Arm amputiert. Als hätte ich Krebs oder Syphillis oder Multiple Sklerose. Gut gut, antworte ich dann, es ist ja nicht so, als wäre ein Kind gestorben oder so.

Also drücke ich dem Mann den Kaffee in die Hand und einen Kuss auf den Mund und er geht und ich bleibe und sage: Bis heute Abend, komm nicht so spät nach Hause. Dann fällt die Tür hinter ihm zu., die Sonne scheint durch die Fenster und die Katze streicht mir um die Beine und bettelt nach Essen. Der Tag liegt da und will gefüllt werden und bietet viele schöne und einige weniger schöne Varianten an.

Wie es jetzt weitergeht, wollen alle ständig wissen, und ich komme bei der Frage ins Straucheln und antworte ausweichend. Man ist ja niemandem eine Antwort schuldig, eigentlich, aber alle tun so als ob.

Beim Backen finden sich keine Antworten auf Fragen, aber Spaß macht es trotzdem oder genau deshalb. Also kaufe ich ein und backe, und einen Grund gibt es obendrein, denn der Mann hat Geburtstag. Slutty Brownies: Cookiesteig mit Oreo-Keksen belegt und mit Brownie-Teig überbacken. Rührkuchen mit versunkenen Erdbeeren und Pinienkernen. Ricotta-Blaubeer-Muffins mit zerbröselten Amarettinis. Zum Abendessen eine Quiche mit Champignons, Lauch und Tomaten.

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Backen entspannt mehr als jede Yoga-Stunde es könnte: Jede Art von Stress fällt von mir ab, während ich eine Handvoll Amarettinis in einen Gefrierbeutel stecke und mit dem Nudelholz zu Amarettini-Krümeln verarbeite. Während ich den Cookies-Teig in der Form verstreiche und die Oreo-Kekse gleichmäßig darauf verteile. Während ich Teig auf rosa Förmchen mit weißen Punkten verteile und in den Ofen schiebe.

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Ob ich mir den schon Gedanken gemacht habe, wollen sie wissen. Nein, bin ich versucht zu antworten, Gedanken machen, das habe ich mir abgewöhnt.

In der Hitze der Mittagssonne füllt sich in meinem Notizbuch Seite um Seite. Banale Alltagsbeobachtungen, melancholische Befindlichkeiten, kleine Spitzfindigkeiten über das Leben, alles findet seinen Platz, während ich in der Hitze brüte und meine Füße im kalten Isarwasser strampeln. Plötzlich ist alles wieder da, plötzlich ist da wieder Platz zum Denken, plötzlich funktioniert das wieder, meistens. Beobachtungen wiederholen sich, machen müde, laden zum Mittagsschlaf ein, ich lehne dankend ab. Die Seiten wollen gefüllt werden. Eine nach der anderen. So lange, bis die Hitze unerträglich wird. Und das dauert lange. Ich mache mich auf den Weg zurück, kaufe mir unterwegs ein Eis und beobachte die Menschen, die es eilig haben. Zu denen ich nicht gehöre.

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Ob das nicht langweilig sei, fragen sie manchmal. Ja, unheimlich, antworte ich dann, pflichtbewusst.

Langweilig – ich weiß nicht genau, was das heißen soll. Ob es langweilig ist, wenn man mal einen Schritt zur Seite gemacht hat und plötzlich daneben steht: Neben diesem Strom aus Alltag, in dem man sonst so emsig mitschwimmt, ohne es überhaupt wirklich wahrzunehmen. Ob es langweilig ist, wenn da dann wieder Platz ist im Kopf, wenn man mal kurz innehält, sich Zeit nimmt, sein Leben zu überdenken, die Chance sieht, neue Entscheidungen zu treffen, sich neu zu orientieren, das gesamte Dasein neu aufzustellen, sich bewusst zu werden, wer man ist und was man kann. Klingt langweilig? Ja, Entschuldigung, dann weiß ich auch nicht.

Gegen Abend bin ich als Erste zuhause. Ich lege Wäsche zusammen und sammle Katzenhaare auf und warte auf den Mann, der nicht zu spät nach Hause kommt und mich fragt, wie mein Tag war.

Schlimm, ganz schlimm, antworte ich und muss lachen. Im Lügen bin ich ziemlich schlecht. 

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Ein Gedanke zu “The perks of being a housewife

  1. Einfach so liken, ohne ein Wort, so aus dem Blauen heraus – tut man das?
    Man sagte mir schon, mein Einfachsokommen und Einfachsogehen sei unhöflich.
    Vermutlich auch darum sage ich noch dazu: Deine Schreibe gefällt mir ausgesprochen gut. Der ehrliche und auch nackte Blick, das Hadern und Suchen, in dem ich mich wiederfinde und doch auch anders bin.

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