Quiet, please.

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Was tun, wenn es so viel zu sagen gibt und gleichzeitig so wenig. So vieles, das man gerne sagen würde, so wenig, das man einfach so aussprechen will. Sarah, du musst mal lernen, dass man manches vielleicht besser für sich behält. 

Da fallen einem die passenden Worte ein, aber man vertauscht einfach ein paar Buchstaben, macht andere Worte und Sätze daraus, man schwenkt einfach um und lässt sich nichts anmerken und innen ist so viel Aufruhr, den man noch nicht so ganz einordnen will. Denn wenn das Leben Purzelbäume schlägt, spricht es damit manchmal einfach für sich selbst, da bedarf es keiner kommentierten Sonderedition, da steht alles verständlich und in Großbuchstaben da, da schaut man hin und versteht und nickt wissend, da kichert man in sich hinein und macht doch einfach weiter, als sei nichts. Manchmal sind auch das die guten Momente, die sich dadurch auszeichnen, dass man sie mit niemandem teilt, sie für sich behält und sorgsam aufbewahrt. Teilen war ohnehin noch niemals meine Stärke, mitteilen von Zeit zu Zeit noch weniger.

Zu viele gute Momente lassen sich ja doch nie realistisch nacherzählen, wenn zu viel passiert, dann kann man das einfach nicht mehr vernünftig zusammenfassen, ohne zu viel Wichtiges wegzulassen. Da kann man nur Erinnerungen und Fakten bruchstückartig zusammensetzen, wie ein Mosaik, und heraus kommt dann die eigene Form von Realität, eine Interpretation des Erlebten, das nie ganz der Wahrheit entspricht, aber das ist egal, weil die ja meistens sowieso langweilig ist. Übrig bleiben später immer nur die Anekdoten: Dass uns, als wir umzogen, in der neuen, leeren Wohnung zuallererst ganz plötzlich die Katze abhanden kam, dass wir eine Nacht lang im strömenden Regen, mit Taschenlampe und Futterdose bewaffnet, durch unsere neue Nachbarschaft wanderten, die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, dass wir irgendwann aufgaben, die restliche Nacht wach lagen und die Katze am nächsten Morgen auf Nachbars Terrasse wiederfanden. Dass die Katze seitdem kaum noch mit uns kommuniziert und die neue Wohnung noch nicht richtig zu akzeptieren scheint. Dass es in der neuen Wohnung gespenstisch still ist, man sich ein bisschen wie auf dem Land fühlt und immer erst kurz überlegen und darüber nachdenken muss, in welcher Stadt man nun eigentlich wohnt. Dass das jetzt schon alles ganz in Ordnung ist und dass man sich hier schon nach so kurzer Zeit wirklich zuhause fühlt (und in diesem Fall ist das sogar die volle Wahrheit).

Die Dinge, die man sich so erzählt, wenn man sich sowieso gerade schon im Gespräch befindet. Und, wie war der Umzug so? – Ach, du weißt ja. Aber nie wieder ohne Umzugsfirma, und überhaupt.
Eine gute Gelegenheit, ein paar andere Kleinigkeiten zu verschweigen, die sowieso niemanden etwas angehen. 

 

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