Full speed, half blind

tumblr_m64iirgy4A1qkfvdvo1_500

(Bild hier geklaut)

 

Halb blind irgendwie in das Jahr stolpern, völlig ohne zu wissen, wohin die Reise geht, völlig ohne Ahnung, Hauptsache, da passiert etwas, Hauptsache, der Kopf bleibt nicht stehen.

Immer nur mit einem Auge hinsehen, lose hinschielen, manchmal nicht wissen wollen, was passiert. Das Schicksal entscheiden lassen und es doch nicht abwarten können. Die kalten Januar-Tage zählen, manchmal, nicht genau wissend, auf was man wartet. Den Sinn suchen und nicht finden. Ordnung im Kopf suchen, Chaos finden. Das Chaos hassen.

Am Fenster sitzen, Löcher in die Luft starren, Katzenhaare von Kleidern zupfen, sonntags abends auf Pizza warten, Kaffee trinken, Notizbücher vollschreiben. Seiten leer lassen, grübelnd davor sitzen, nicht wissen, wohin mit sich. Nachts wach liegen und weg wollen. Warten. Einfach mal Ja sagen zu Dingen, zu denen man früher Nein gesagt hätte und umgekehrt. Fast ein ganzes Jahr lang hoffen, dass da was passiert mit dem eigenen Körper, und zum Ende hin irgendwie innerlich aufgeben. Entscheidungen treffen, die richtig sind und falsch aussehen. Alleine am Meer Urlaub machen, mit Ballerinas im eiskalten Sand spazieren gehen, abends im Hotelzimmer alleine Rotwein trinken, sich am gleichen Ort zwei Monate später den schlimmsten Sonnenbrand des Jahres einfangen. Lieben und leben, in dieser Reihenfolge, wenig weinen, viel weinen, so viel weniger als früher weinen. Sich das Trinken an- und ab- und an- und abgewöhnen. Und das Essen. Keine Drogen nehmen, kein einziges Mal. So wenig verzweifelt sein wie in keinem anderen Jahr zuvor. Kleine Schritte, große Schritte, kleine Schritte. Aber vor, immer nur nach vorn. Menschen in sein Herz schließen, einige. Herausfinden, dass man wohl doch den richtigen Beruf ergriffen hat. Herausfinden, dass man vielleicht doch ganz schön viel kann.

Glücklich sein, ständig, immer wieder. So viele Gefühle, so dass scheinbar nirgendwo dafür Platz ist. Chaos im Kopf, und Liebe. Viel zu viel Liebe. Immer wieder Liebe. 

Reisen. In toskanischer Hitze zerfließen. Am eigenen Geburtstag in einem Hotelzimmer Wein aus Zahnputzbechern trinken und abgepackten Kuchen essen. Tiere im Zoo besuchen. An die gute, alte Zeit denken. Feststellen, dass sie vielleicht alt, wohl aber nie wirklich gut war. Traurig sein über Freundschaften, die keine mehr sind. Freundschaften beenden wollen, aber nicht können. Bis heute nicht. Vielleicht nie.

Entscheidungen treffen. Sachen einpacken, weinen, umziehen, weinen, Sachen auspacken, weinen. Zweifeln und einfach weitermachen. Zug fahren, den Sinn suchen, das eigene Selbstwertgefühl finden, plötzlich liegt es da so einfach. Plötzlich die eigene Stimme finden. Plötzlich aufhören zu weinen. Plötzlich eine Ahnung haben, wo die Reise hingehen kann. Plötzlich überhaupt irgendwie eine Ahnung haben. Nach vorne sehen. Wohnungen besichtigen.

Eine Zukunft sehen. Nicht mehr stolpern, nur noch gehen. Augen auf. Immer hinsehen. 

Das Chaos lieben lernen, immer wieder aufs Neue. Keine Ordnung im Kopf, nie. Auch dieses Jahr nicht. Auch nächstes Jahr nicht. Wer braucht die schon.  

 

3 Gedanken zu “Full speed, half blind

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s