Pescia. Ein Sommerrätsel.

Die italienische Sonne wirft ein neues Licht auf uns: Auf dich und mich. In der Menge der Touristen von San Gimignano verlieren sich unsere Hände, voneinander losgelöst gehen wir verloren in der Masse. Alleine stehe ich da und fotografiere ins Gegenlicht. Das Denken eingestellt, kein Wunder bei der Hitze.

Die Menschen werden nicht weniger. Wir finden uns wieder und lachen. An einem Aussichtspunkt stehend starren wir abwesend Löcher in die toskanische Landschaft. Ich lehne mich über die Brüstung, niemanden kümmert es, und starre der Sonne solange in ihr grelles Gesicht, bis sie sich hinter eine Gruppe dreckig-grauer Wolken verzieht. Unter dem unfreundlichen Himmel gehen wir weiter und wissen noch nicht, wie einfach alles sein kann. Morgen vielleicht.

 

Auf dem Rückweg kaufen wir Scampi und Büffelmozzarella und in der Schlange an der Kasse gibt es diesen einen Moment, in dem alles gut ist. In dem wir uns keine Sorgen machen. In dem wir uns nicht vor der Zukunft fürchten.
Als wir zurückkommen, steht die Katze vor der Küchentür und verlangt lauthals nach Essensresten. Ich koche und du sitzt in der Abendsonne und liest und rauchst und siehst so friedlich aus. Die Stille wächst in uns hinein und bleibt dort einfach stehen, die Scampi ändern in der Pfanne ihre Farbe und riechen nach Knoblauch. Ich werfe Spaghetti in kochendes Wasser und frage mich, was du jetzt denkst.

Kinderstimmen im Haus, die Stille aus den Angeln gehoben, erleichtertes Aufatmen, die Katze schleicht um die Beine des Küchentischs, Stimmengewirr, Lachen, so viel Leben plötzlich, die Anzahl der Erwachsenen hat sich verdoppelt. Die Nudeln abgetropft, die Scampi gesalzen und überall Knoblauchgeruch. In der untergehenden Sonne sitzen wir und erleben den Moment als den, der er ist.

Nach dem Essen kochst du Kaffee und ich stecke die Füße in den Pool. Die Katze mag keine Scampi. Die Sonne geht unter, die Hitze bleibt. Niemand weiß, warum es uns so schwer fällt, zu lachen.

Als es dunkel wird, retten wir einen riesigen verwirrten Frosch aus dem Pool. Dann sitzen wir auf Liegestühlen und wissen nicht wohin mit den Gedanken und denken an die zukünftigen Und-weißt-du-noch-damals-Momente: Und weißt du noch damals, in der Toskana, als alles so seltsam war, weil wir nicht wussten, was werden würde? Als wir in Pisa am Straßenrand saßen und uns wunderten, dass uns die Schönheit der Welt nicht erreichte? Als wir im italienischen Supermarkt an der Käsetheke unschlüssig von einem Fuß auf den anderen traten?

Weißt du noch damals, als wir einfach kein Vertrauen hatten, obwohl es doch so viel zu vertrauen gab? 

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