Sleep is the enemy

Weil ich nachts so schlecht schlafen kann, weil ich dann immer gegen drei Uhr aufstehe und Wiederholungen schlechter Doku-Soaps bei RTL anschaue, bis mir vor Stumpfsinn die Augen zufallen, weil ich einfach mal wieder schlafen will, so wie andere auch, deshalb lege ich mich an einem Sonntag Nachmittag ins Bett, decke mich zu und warte ab, was passiert.
Ich träume, ich nehme die Katze mit ins Fitness-Studio. Gemeinsam rennen wir durch knietiefen Matsch unter riesigen Bewässerungsanlagen hindurch. Alle anderen Menschen benutzen normale Trainingsgeräte. Später verstaue ich die Katze in einem verschließbaren Eisfach und gehe nach Hause.
Ich träume, du willst mir eine Freude machen und schickst mir per Bote eine Auswahl an Karnevalskostümen, von denen ich mir eines aussuchen darf. Ich hasse Karneval. Ich entscheide mich für den Astronautenanzug, weil alle Prinzessinnenkleider hässlich sind und ich keine Hexe sein will.
Ich träume, im Flur in meiner Wohnung steht ein Swimming Pool, aus dem meine Schwester ein Schiff baut, um um die Welt zu segeln. Sie ist so schön wie in der echten Welt und trägt ein weiß-gelbes Vintagekleid und legt sich nach getaner Arbeit erstmal aufs Sonnendeck.
Ich träume, der Flur steht unter Wasser, weil alle unsere Tische keine Beine mehr haben und alle Blumenvasen umgekippt sind. An den Stellen, an denen das Wasser verdunstet, liegen bunte Blumenkleider.
Ich träume, jemand schenkt mir eine Polaroid-Kamera, mit der man nur Penisse fotografieren kann. Was ich dann auch tue.
Ich träume, ich sitze mit einem Kollegen beim Essen. Beim Sprechen wird er immer kleiner auf seinem Stuhl, seine Stimme immer leiser, bis ich ihn irgendwann nicht mehr verstehen kann. Später wird er mir vorwerfen, ich hätte ihm nicht zugehört.
Ich träume, ich bin schwanger und du und ich sitzen am steinigen Ufer eines kleinen Flusses. Dann fange ich an zu bluten und das Wasser färbt sich rot, aber ich bin zu beschäftigt damit, die Landschaft mit meinem Handy zu fotografieren und Bilder bei Instagram zu posten, deshalb merke ich davon nichts.
Ich träume, ich trete in einem Schwimmwettbewerb gegen ein Mädchen an, das genauso heißt wie ich. Ich schlage es um Längen und steige am Ziel als Erste aus dem Wasser. Als ich zurückschaue, sehe ich das Mädchen im Wasser Kunststücke vollführen und verstehe, dass Schnelligkeit hier nicht die Aufgabe war. Mein Vater holt mich ab und kauft mir ein Eis. In der Realität hat mich mein Vater noch niemals irgendwo abgeholt. 

All das träume ich in zweieinhalb Stunden. Als ich aufwache, liegt die Katze neben mir und starrt mich an, als habe sie alles gesehen. Als sei ich nicht ganz richtig im Kopf.
Vielleicht hat sie damit nicht ganz Unrecht.
Vielleicht sind Doku-Soaps nachts um drei Uhr doch nicht die schlechteste Wahl. 

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