Gesellschaftsspiel.

Immer spielt das Leben seine Spielchen mit uns, sage ich: Fangen, verstecken, Mau Mau, Mensch ärger‘ dich nicht, Reise nach Jerusalem. Manchmal alles gleichzeitig. Niemals hat es uns gefragt, ob wir mitspielen wollen, doch wir sind Gäste auf seiner Party und da gehört sich das wohl so. Und du und ich, manchmal spielen wir in gegnerischen Teams, ohne dem vorher zugestimmt zu haben, und da kann es passieren, dass wir uns von Zeit zu Zeit verlieren, um dann durch Zufall wieder zusammenzufinden, fast so, als sei das alles bereits vorher geplant gewesen.

Manchmal schlägt das Leben einfach Purzelbäume, sage ich, aber du hältst das für eine Ausrede und siehst mich nicht an. Denn du weißt, wie das ist: Manchmal mache ich meinen Einsatz, ohne vorher nachzudenken, dann setze ich alles aufs Spiel, und meistens verliere ich dann, weil ich die Regeln nicht verstehe. Aber heute, da liegen plötzlich alle Karten auf dem Tisch, und da habe ich ausnahmsweise gewonnen, ich ganz allein, bitte rücken Sie tausend Felder vor, also gehe ich einfach ohne dich los, ich lasse dich einfach hier zurück, und du stehst da und siehst mir nach und ordnest Worte in deinem Kopf zu Sätzen, die du mir nachrufst, als ich schon losgelaufen bin, die meine Ohren knapp erreichen, die bewirken, dass ich mich umdrehe und meine Hand nach dir ausstrecke, und dann kommst du einfach mit mir, als gebe es keinerlei Regeln, als seist du mein Joker, den ich einfach überall hin mitnehmen kann.

Manchmal kann alles so leicht sein, doch dann wacht wacht man auf und öffnet die Augen und merkt, so läuft das irgendwie nicht, diese Tricks, um das Spiel zu überlisten, im richtigen Leben hat man die einfach nicht drauf, da hat man nicht einfach so ein Ass im Ärmel und keine gezinkten Würfel in der Tasche.

Vielleicht schaffen wir das auch alles nicht, sagst du, vielleicht werden wir jetzt nie wieder ins das gleiche Team gewählt. Aber das kann niemand wissen. Was wissen wir denn schon vom Leben? Was verstehen wir schon von der Welt, wo wir ihre Spielregeln doch kaum kennen? Was suchen wir denn eigentlich hier, was wünschen wir uns, wo wollen wir hin, wo kommen wir her? Immer wieder die gleichen Fragen, immer wieder keine Antworten, immer wieder werden Karten neu gemischt, fallen Würfel anders, rollen Kugeln einfach weiter, wo sie eigentlich liegenbleiben sollten.

Stattdessen immer wieder das Schwanken zwischen Freude und Schuldgefühl, zwischen Siegerlächeln und Zähneknirschen, schuld ist immer der, der einfach weitergeht, der beliebig viele Felder vorrückt, ohne Rücksicht auf seine Mitspieler, und das bin dann wohl ich, und das heißt, dieses Spiel, das hab ich wohl gewonnen und verloren zugleich.

Wie beruhigend ist es da, sage ich, dass du jetzt doch so gut im Rennen liegst. Dass ich am Spielfeldrand stehen und dich anfeuern kann, weil du alles für uns gibst. Dass du bereit bist, alles zu setzen, damit wir beim nächsten Mal wieder im gleichen Team spielen, ohne zu verhandeln und ohne lang zu zögern. Damit wir immer die Sieger unseres eigenen Spiels bleiben.

Ohne dich hätten wir doch längst alles verloren. Ohne deinen Einsatz wären wir längst ausgeschieden. Ohne dich hätte das Spiel nicht mal begonnen.

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