Wir können alles, und alles können wir sein.

You ask why I spend my life writing?
Do I find entertainment?
Is it worthwhile?
Above all, does it pay?
If not, then is there a reason…?
I write only because
There is a voice within me
That will not be still.

(Sylvia Plath)

Wenn es eine Sache gibt, die wahr ist, dann ist das, dass man zum Schreiben die Einsamkeit braucht. Ohne einen einzigen Menschen um sich herum schreibt es sich immer am leichtesten. Nichts da außer man selbst. Das Rauschen eines Bachs, des Meeres, der Stille. Geräusche, die von weither kommen, die der Wind heranträgt, wie zufällig, ohne dass man selbst gemeint wäre, ziehen sie vorbei und schon ist man wieder allein. Das ist die Art der Stille, der Einsamkeit, die ich meine. In der es sich so vortrefflich schreiben lässt. In der das Denken ganz allein dich fortträgt, irgendwohin, deine Vorstellungskraft ist völlig ausreichend, um dich hier wegzubringen, an welchen Ort, das bestimmst du ganz allein, und wer du dort bist, das liegt in deiner Hand. Erzählen, das tust du in erster Linie immer dir selbst, das beginnt als Flucht aus dem eigenen Leben, denn in deinen Geschichten kannst du alles sein, da gibt es keine Grenzen.

So hat das damals alles angefangen: Neun Jahre war ich alt, die Füße im klaren Wasser des Flusses direkt vor der Haustür, und außer ihm und mir war da niemand, aber auch so kann sich das Glück anfühlen: Im eiskalten Wasser stehen, nicht sprechen müssen, nur ich und der Fluss. Das war die gute Zeit der Kindheit, draußen zu sein, weitab von allem, vermutlich hat sich genau dort diese Liebe zur Einsamkeit manifestiert, hier findet sie ihren Ursprung. Denn in der Einsamkeit fragt dich niemand nach dem Warum, du schreist deine Rechtfertigung in den Wind und niemand kann sie hören.
Und der Fluss, leise flüsterte er mir Geschichten zu und meine Aufgabe war es, sie zu Papier zu bringen, holprig und in Kinderschrift, aber am Ende standen sie da, ein Buchstabe nach dem anderen, Wort für Wort. Fast zwanzig Jahre ist das nun her, und damals gab es nichts als diese Geschichten für mich, allein fühlte ich mich, und auch wenn das Leben heute aus so viel mehr besteht, sind die Geschichten immer geblieben.

Denn erzählen, das lässt sich doch irgendwie immer. Du musst nur einsam genug dafür sein, innerlich. Du siehst aus dem Fenster oder aufs Wasser oder in die Luft, und der Verstand entgleitet dir und schwebt davon und sammelt Worte ein, Sätze, die am Ende ein Ganzes ergeben. Und solange bist du ganz wehrlos, du kannst nicht anders, als das Spiel mitzuspielen, weil ohne kannst du ja gar nicht sein.

Und deshalb tue ich das noch heute. Den Stift in die Hand nehmen und den Verstand wegschicken, und mit ihm alle Menschen um mich. Die Einsamkeit kann der Nährboden sein, den du brauchst, um Neues zu erschaffen. Und das weiß ich jetzt seit zwanzig Jahren, und bin wohl genau deshalb der Mensch, der ich heute bin, der Sonderling, bestmöglich an die Gesellschaft angepasst und doch niemals irgendwo zugehörig. Aber was macht das schon. Denn in meinen Geschichten bin ich immer ganz genau die, die ich sein will. 

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