Schöne neue Welt.

Ein Jahr.
Ein Jahr ist es her, dass alles plötzlich anders wurde.
Vor einem Jahr, da war der Wandel plötzlich greifbar. Da hatte er einen Anstrich, eine Identität, und er trug deinen Namen.

Vor einem Jahr fast, an einem Sonntag, da lagen wir in der Mittagssonne am Rhein im Gras und starrten in den wolkenlosen Himmel und fühlten uns so leicht. So leicht wie schon so lang nicht mehr, fast schwebten wir davon. Ich hatte den Kopf auf deine Schulter gebettet, das Gras kitzelte meine Füße, irgendwo im Hintergrund rauschte ein Schiff vorbei, und wir lagen nur da. Und als du dann sagtest, du liebst mich, da hörte ich nur zu und glaubte es nicht, irgendwie. Um nicht wieder in die Falle zu tappen. Um nicht schon wieder den gleichen Fehler zu machen. Doch die Wirklichkeit hatte sich unbemerkt gedreht und alles war anders als die Male zuvor: Als jemand die Worte an mich herantrug, und ich glaubte, was er sagte, und es gelogen war. Dieses Mal wollte ich klüger sein und glaubte ich nichts. Und dieses Mal war alles wahr.

Manchmal sitze ich im Schneidersitz auf dem Boden und tue nichts und starre Löcher in die Luft und versuche, die alten Gedanken wiederzufinden, die Grübeleien über das Leben und meinen Platz in der Welt, den es nicht zu geben schien. Dann plötzlich frage ich mich, wann das angefangen hat: Wann haben alle Zweifel einfach aufgehört zu existieren, wann habe ich damit angefangen, das Gute in den Dingen zu sehen, wann hat plötzlich alles begonnen, einen Sinn zu ergeben? Und ich weiß, es kam nicht so plötzlich, wie es mir jetzt erscheint. Niemand hat einfach einen Schalter umgelegt. Weil es keinen gibt. Der Wandel kam langsam, gemächlich um die Ecke geschlendert, denn so wie man das Gras nicht beim Wachsen beobachten kann, ist es unmöglich, den Verlauf des Wandels einzufangen, ihn mit Nadeln auf einer Karte festzupinnen. Mal ein großer Schritt, mal viele kleine, mal gar keiner, dann sind es wieder ein paar zurück, dann wieder nach vorn. Im einzelnen kaum spürbar, doch am Ende alles verändernd. Und jetzt sitze ich da und suche die alte Schwermut und muss feststellen, sie ist gegangen und hat sich nicht verabschiedet.

Heute vor einem Jahr, da wurde uns die Sonne irgendwann zuviel, und wir standen auf und gingen los und kauften uns Pizza und Eis und das Leben bestand nur aus zwei Menschen, dir und mir, alles andere war nur Kulisse, die Welt rückte sich selbst in den Hintergrund, niemand dachte nur für eine Sekunde an morgen, an übermorgen, an die Zukunft. Weil sie sowieso da sein würde, irgendwie stand das niemals in Frage.

Vielleicht kann man nicht sagen, wann genau alles anders wurde, jedoch, was man sagen kann, ist: dass du die Konstante dabei bist. Heute vor einem Jahr bauten wir das Gerüst, auf dem heute mein Weltbild steht, ob das gut ist oder schlecht, darauf will ich keine Antwort haben.

Heute, da liegen wir nebeneinander am Strand, über uns der blaue Himmel ohne Wolken, und wir können unserer Haut nicht beim Rotwerden zuschauen, doch später wird sie es sein. Und wir liegen da und um uns tausend Menschen, die Lärm machen und dennoch nur Statisten sind, in einer Welt, die unsere Namen trägt, in der das Meer rauscht und wir nicht an morgen denken. Denn dass Morgen uns gehört, das steht doch außer Frage. 

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