Vorübergehend geschlossen

Die Eingebungen kommen ja manchmal einfach so zu mir, wie junge Hunde eilen sie heran und bringen ein paar Stöckchen, wie dressierte Affen kommen sie daher und spielen mir etwas auf der Trompete vor. Und anderntags, da bleiben sie einfach weg. Dann liege ich stundenlang am See, alle Kleidungsstücke so weit wie möglich von mir weggeworfen, und starre mit weit aufgerissenen Augen in den blauen Himmel, der mit seinen inhaltslosen Schäfchenwolken so leer ist wie die Stelle im Kopf, an der sich sonst üblicherweise die Ideen sammeln, als hätte jemand wie wild mit einem Radiergummi ein altes Blatt Papier bearbeitet, alles fort und ganz zerknittert. Nur die Sonne ist da und brennt alles aus und lässt alles Aufkeimende sofort verdorren.

Und mit dem Mund voller Pistazieneis setze ich mich auf und streichle meiner Begleitung den nackten Bauch und beobachte meine frisch lackierten Fußnägel, Mint Candy Apple, die alles sind, was ich heute zustande gebracht habe, und dann denke ich, nicht zum ersten Mal, wie schön das ist, das Leben mit so viel ungenutztem, brach liegendem Verstand, und warum das nicht immer so sein kann wie heute, das frage ich mich dann, aber dann ist an dem Tag nicht genug Hirnschmalz aktiv, als dass ich mir die Frage beantworten könnte.

Also sitze ich an einem Tag wie diesem weiter einfach da und stelle fest, dass Sommer ist, und bin stolz auf die beste Leistung des Tages, die nämlich, nicht am eigenen Pistazieneis erstickt zu sein, die lebenswichtigen Funktionen einwandfrei, ansonsten alle Sinne abgestellt, der Wasserhahn, aus dem normalerweise die geschärfte Wahrnehmung sprudelt, ganz fest zugedreht. Der eigene Körper wie in Watte gepackt.

Eigentlich der Vorsatz, jeden Raum zwischen zwei Atemzügen zu nutzen, ihn mit den eigenen Händen zu packen, dem Leben einen eigenen Anstrich verpassen, Carpe that fucking diem, wenn endlich mal die Zeit dazu vorhanden ist, so wie heute, deshalb ein Stapel Bücher, Notizbuch und Stifte im Anschlag, sorgfältig gestapelt direkt an der Hüfte im Gras liegend, da werden sie heute bleiben, weil manchmal ist eben alles geschlossen, auch der eigene Verstand.

Die Eingebungen werden schon wiederkehren, sie werden zu mir kommen und mir wie Grundschulkinder Lieder auf der Blockflöte vorspielen. Das Gedankengewitter, das dem klaren Sommergefühl folgt, das kommt schon. Und während ich mich aufsetze und nach dem Notizbuch greife und den Stift zücke und aufschreibe, wie schön es ist, mal auszureißen, mal, in gedachter Form, einen Tag lang nicht zu existieren, denke ich: Dass schreibende Menschen wohl niemals Urlaub haben. 

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