Reach out!

Heute scheint die Sonne nicht: Die Trostlosigkeit der Welt ist in der Gemütslage anderer begründet. Niemals in meiner eigenen, nicht heute. Eine Gemütslage, die ich nicht verstehe, die ich gar nicht erst versuche zu verstehen, weil ich nichts mit ihr zu tun haben will. Heute scheint die Sonne nicht. Nicht für mich und nicht für dich, doch mich interessiert das heute nicht, nicht heute. Dich schon.

Das Chaos um mich herum meint mich heute nicht. Der Anflug des schlechten Gewissens, ich verscheuche es wie eine lästige Fliege, die in meinen Kopf meine Gedanken durcheinanderbringt. Hier, in meinem eigenen Kosmos, ist Chaos nicht erwünscht. Nicht heute.

Die Zeit des Glücks schreitet mit kleinen Schritten voran, und so langsam gehen mir die Probleme aus, von denen ich erzählen kann. Die ich in bunten Worten, in lebhaften Buchstaben in eine Reihenfolge, in einen Gedankenstrom bringen kann, um andere zu informieren, wie schlecht es um mich und meinen Geisteszustand bestellt ist. Mein Geisteszustand, selten hat er mich weniger interessiert. Was übrig bleibt, ist das schlechte Gewissen, der Gedanke, dass ich das Glück wie ein Schwamm in mein Leben sauge und deshalb nichts davon für andere übrig bleibt. Denn um mich herum steht ihr und macht traurige Gesichter, aus einem bunten Strauß an Gründen, und ich betrachte euch aus sicherer Distanz und weiß, dass ich eines Tages wieder einer von euch sein könnte, sein werde. Bis dahin will ich euch nicht um mich haben, so leid es mir tut. Ich ignorantes Arschgesicht. Eigentlich interessieren mich eure Probleme nicht, will ich rufen, mich abwenden und im Gehen meine guten Ratschläge an geheimen Orten verstecken, eine Schnitzeljagd spielen mit denen, die gute Ratschläge nötig haben.

Eigentlich machen mich eure Probleme ärgerlich, euer selbstgewählter Unmut, ich weiß doch, wie das ist. Jedem geht es immer am schlechtesten, ich weiß doch, wie das ist. In der eigenen Misere zu baden, ich hab’s doch selbst erlebt. Auf nichts liegt man weicher gebettet als auf dem eigenen Selbstmitleid, das einen jeden Abend in den Schlaf wiegt.

Steht doch mal auf und lasst eure Traurigkeit liegen, ihr versucht es ja nicht einmal! Geht doch mal raus und lernt das Leben kennen, es ist besser als sein Ruf. Seid doch mal glücklich! Steht doch mal auf und geht raus und kauft euch ein Eis und setzt euch auf eine Wiese und beobachtet die Enten oder Grashüpfer oder Menschen. Und dann komme ich auf meinem hohen Ross vorbeigeritten und lächle auf aufmunternd zu und falle in der nächsten Kurve aus dem Sattel, aber das kann euch dann egal sein. Und mir auch.

Um Himmels Willen, tut einfach was. Tut mir den Gefallen. Streckt die Hände aus und greift nach dem Leben. Eines Morgens werdet ihr aufwachen und feststellen: Die Schwere ist von euch abgerückt. Und ihr wisst nicht, wo sie hin ist, aber ihr fühlt ihren Atem nicht mehr in eurem Nacken. Und dann werdet ihr zurückschauen und feststellen, dass ihr den Wendepunkt, die Stelle verpasst habt, als der Vorhang der guten Zeit sich wieder hob und es einfach weiterging, fast so, als habe es nie schlechte Zeiten gegeben. Und ihr akzeptiert die gute Zeit als permanenten Begleiter, ihr legt ihr den Arm um die Schulter und schließt Freundschaft mit ihr.

Und dann scheint die Sonne nicht, doch die Trostlosigkeit ist nicht länger euer Problem. 

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