Neues Jahr.

Stell dir vor: Das Leben hält dir einen Topf mit Liebe hin, und du greifst einfach rein. Und nimmst, soviel du tragen kannst. Ganz ohne das Drama, das du immer so gerne hattest. Das du immer so dringend zu brauchen meintest. Ohne Herzschmerz und langes Warten auf ein Happy End. Große Seelenqual als international akzeptierte Währung für die letztendliche Erfüllung. Dabei weiß doch jeder, dass Liebe nichts kosten darf. Eigentlich willst du die Lösung nicht akzeptieren, wenn sie einfach ist. Und jetzt hast du keine andere Wahl.

Kopf an, Augen auf.

Das ganze letzte Jahr war ein einziges großes Tauschgeschäft. Es nahm Unsicherheit und brachte Klarheit. Ganz plötzlich fandest du dich wieder auf dem Flohmarkt der Befindlichkeiten. Der Tauschbörse der Lebenspläne. Viel Ungewissheit und Ratlosigkeit hattest du zu bieten, und das Leben kam und bot dir neue Perspektiven an, so viel Glück und Freiheit und ein bisschen psychische Gesundheit. Emotionale Stabilität, wie du sie an anderen immer belächelt hast.
Und dann greifst du einfach zu. Und gibst früher gegen heute. Früher war mehr Traurigkeit, Verletzung und Enttäuschung, da waren mehr Tränen, Wunden, Heilungsrückzüge, als du vertragen konntest, und du gibst sie einfach her. Und bekommst so viel Neues zurück, nach dem du nicht gefragt hast, und das doch so gut in die Lücken passt.

Und eines Tages stehst du vor dem Spiegel und schaust hinein und gleichzeitig heraus. Und fragst dich, wo du geblieben bist, und stellst fest, du bist weg, und vermisst dich gar nicht wirklich. Das Leben hat dich mitgenommen, und du bist unterwegs.

Nicht so viel atmen. Sitzen und schauen und sich unauffällig verhalten.
Nicht so viel denken.
Kopf aus, Augen zu.

Lange habe ich darüber nachgedacht, woher du kommst, wie du mich gefunden hast und warum die Welt sich jetzt anders dreht als früher. Warum das neue Leben einfach über mir hereinbrach, wie es sonst nur Naturkatastrophen tun. Eines Tages habe ich einfach resigniert.

Kopf aus, Augen zu. Der graue Himmel kann mich nicht länger provozieren.
Wann hat das Leben begonnen, sich so gut anzufühlen?

Doch da ist diese Sache, dass ich im Stillstand nicht atmen kann. Dass mir das Glück vielleicht die Luft abschnürt. Dass ich das alles vielleicht nicht verdient habe, dass ich ein Leben lebe, das mir nicht gehört. Dass ich nicht aufhören kann, zu denken. Wo gehen wir hin? Ist Glück endlich? Werden wir sein Ende kommen sehen?

Nicht so viel atmen, nicht so viel denken. Das Leben lenkt sich manchmal ganz von selbst. Vielleicht auch in diesem Jahr.
Kopf aus, Augen zu. Blinzeln ist erlaubt.

Und dies ist unsere Zeit.
Wir sind in dieser Nacht geboren.
Wie die Idioten aus dem Film hab ich mein Herz an Dich verloren…
Und ist dies das neue Jahr?
Du legst Deinen Kopf in meine Arme,
dein Hirn ruht sanft in meinen Händen und ich kann spüren, wie es sich bewegt.
Wir sind jetzt mittendrin –
es wird schwierig jetzt und warm.
Wenn wir hier zu lange stehen, kehren wir nie wieder zurück.
Doch wohin mit all dem Unsinn?
Vielleicht wird es gut wenn es jetzt hier endet.
Wir haben keine Wahl.
Wir rutschen tiefer und tiefer und tiefer,
Tiefer und tiefer und tiefer,
Tiefer und tiefer und tiefer ins Glück.

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