Temptation waits.

Jedes Mal, wenn du vor mir die Straße überquerst, platzen alle Nähte auf. Blut spritzt wie aus Wasserbomben. Ich wollte immer, dass du zur Tür hereinkommst. Auf mich zugehst, ohne Umwege. Mich an den Schultern packst und schüttelst.

Mir sagst, dass du mich liebst, aber ohne Nebensätze. Ich liebe dich, ABER ich muss jetzt gehen. Ich liebe dich, ABER die Musik ist zu laut. Ich liebe dich, ABER der Weg ist zu weit. Ich liebe dich. Aber ich liebe dich nicht. Und jetzt, wo es so weit ist: Was fange ich an mit der Information? Wie schnell kann ich laufen, um der Gleichgültigkeit zu entkommen? Am Ende ist sie doch immer schneller: Du liebst mich, ABER ich höre gar nicht hin. Du liebst mich, ABER ich habe zu großen Hunger. Du liebst mich, ABER ich habe anderes zu tun. Du liebst mich. Aber ich liebe dich nicht.

Als die Luftblase in meinem Kopf größer wird, färbt die Welt sich selbst vor meinen Augen schwarz. Als ich tonnenschwer vornüber kippe, reiße ich allerlei Utensilien mit mir. Als ich falle, entsteht Chaos – im Kopf, im Körper, in der Welt. Als ich leblose daliege, beobachtest du mich wie ein Jäger sein Wild. Da schau also her, ich zeig dir meine Wunden. Ich kann die Handflächen nach oben drehen und bin dabei nackt. Mein Körper ist ein blutendes Stück Fleisch, habe ich immer gedacht und dabei resignierend die Augen gen Himmel geschlagen. Und jetzt verwächst das alles in Rekordzeit, der ganze mühsam hingezüchtete Schmerz verheilt zu einer einzigen beeindruckend großen Narbe. Nur die Besten haben Narben. Die Vernarbten sind die mit den Geschichten, den guten und den schlechten. Wie lange kann sie dauern, die Geschichte über dich und mich?

Die Versuchung wartet nicht auf uns. Sie steht um die nächste Ecke und lauert uns auf. Ich möchte nichts damit zu tun haben, sagst du. Ich aber vielleicht schon.
Die Versuchung ist leise, natürlich ist sie das. Sie hindert uns daran, geradeaus zu gehen. Sie nimmt uns das Recht, von uns als guten Menschen zu sprechen.
Wir können der Versuchung nicht entgehen, wir können sie ebensowenig aus unserem Leben entfernen wie die Sonne, den Regen, die Nacht. Wir können nicht vor ihr davonlaufen. Wir können ihr nur entgegentreten. Ihr die Stirn bieten, souverän an ihr vorbeiziehen.
Wir können. Aber wollen wir auch? Willst du?

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