You tell me you love me you lie.

And you thought you could change the world by opening your legs
well, it isn’t very hard – try kickin‘ them instead.

Versuch doch, mir das Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen. Mach doch. Du wirst es nicht schaffen. Es wird mir schon von selbst vergehen, wenn ich über die Schulter zurückblicke und sehe, was ich angestellt habe, was sich jetzt nicht mehr ändern, nicht mehr vollständig gerade rücken lässt.
Ich gehe durch die Tür und atme die Luft und muss husten. I’m flying now, I’m paying later. Ist das der Preis, den ich für all das zahlen will?

Früher, da saßen wir nachts auf deinem Balkon und drückten Kippen in einem zum Aschenbecher umfunktionierten Grill aus. Die Luft kratzte in meinem Hals und ließ mich frösteln, und jedes Mal zog ich die Knie an den Körper, umklammerte sie mit meinen Armen, starrte geradeaus und wusste, dass alles gut war, weil du neben mir standest und weil deine Aufmerksamkeit ausschließlich mir galt.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei, die Tage wurden länger, Zeiten ändern sich, Menschen auch. Entfernungen werden größer, Gemeinsamkeiten werden kleiner.
-Du kannst nicht ewig so weitermachen, sagtest du.
-Warum nicht?
-Den ganzen Tag tanzt du barfuß durch deine eigene Welt, und jedes Mal, wenn dir die Realität zu nahe kommt, schlägst du die Hände vors Gesicht und summst eine Melodie, so lange, bis sie sich wieder entfernt.
-Was ist falsch daran?
-Ist das der Preis, den du zahlen willst? Für – immer?

Manchmal, wenn es besonders kalt war, wenn es nicht half, die eigenen Beine zu umklammern, als würde man sich selbst am Weglaufen hindern wollen, hätte ich gern so viel mehr gesagt, doch die Konversation ließ sich nicht so einfach steuern wie ein Fahrrad auf einer frisch geteerten Straße und verkam zu einem Austausch altbewährter Floskeln. Nur kein Risiko. Sonderpreis für denjenigen, der die meisten hohlen Phrasen in 5 Minuten Redezeit unterbringt. Wie viel Zeit seines Lebens verschwendet man damit, Sätze zu sagen, die ein anderer irgendwann erfunden hat und die seitdem mindestens zehntausend Mal von anderen wiederholt wurden?

-Was dich heute auffrisst, ist doch nur der Mangel an Alternativen, weiter nichts. Mach die Augen zu und zähl bis zehn: Du weißt es. Der Schmerz ist nur simuliert, alles ist normal, du kannst weiterleben wie zuvor. Die Frage ist, ob du das willst. Stell deinen Kopf ab.

Deine Worte schäumen in meinem Mund wie Brausetabletten. Ich spucke sie vor mir auf den Boden und betrachte sie mit Argwohn.

-Die Dinge, die wir getan haben, treiben mir die Schamesröte ins Gesicht.
-Nicht zurückdenken. Immer nur nach vorne sehen.
-Mein Herz ist so müde.
-Immer die Stunden. Die, die man damit zubringt, die Gedanken wie  Kugeln auf einem altertümlichen Rechenschieber hin und her zu schubsen. Und am Ende steht immer das gleiche Ergebnis. Lassen wir es doch gleich bleiben. Die Rechnung lässt sich nicht mehr begleichen. Die Schulden vererben wir unseren Kindern.

Immer bleiben wir zurück, du und ich, ich und du. Ein weiteres Mal. Immer stehen wir am falschen Ende der Schlange an und schauen der Menge zu und krallen uns schließlich ineinander, als seien wir das einzige, das uns noch in dieser Welt hält. Als ich dich am nächsten Tag verlasse, weiß ich nicht, woher das Lächeln kommt, das ich plötzlich mit mir herumtrage und zur Schau stelle wie einen exzentrischen Hut auf dem Kopf oder einen seltenen japanischen Nackthund erstklassiger Abstammung. Es fühlt sich an wie gestohlen. Ein derartiges Lächeln kann ich mir nicht leisten, nicht heute und nicht morgen. Spuren deiner Fingernägel, Abdrücke deiner Schneidezähne in meinem Rücken, wen kümmert es, wer sieht schon so genau hin in einer Zeit, in der wir am Morgen danach ohne großes Aufsehen eine kleine zartrosa Pille stilvoll mit einem großen Becher Soja Iced Chai Tea Latte hinunterspülen, zur besten Tageszeit auf der Terrasse im Sonnenschein. Wer interessiert sich schon für die Details unseres Versagens, solange es auf ganzer Linie geschah.

-Wie kannst du es wagen, so perfekt für mich zu sein? Dein Dasein erschüttert mein Weltbild bis ins Mark, du hebst es aus den Angeln und lässt es fallen, jedes Mal zerspringt es in tausend Teile und ich brauche ein halbes Leben, es wieder zusammenzusetzen. Meine Welt fällt mir in Einzelteilen entgegen und begräbt mich unter sich, jedes Mal, wenn du die Straße entlang läufst.
-Das ist wohl der Preis, den du zahlst.

2 Gedanken zu “You tell me you love me you lie.

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