In this light and on this evening

I’ve mined the graveyard of unpublished poems.

Menomena

Mitten in der Nacht wache ich auf und denke an dich und lausche der Stille, die keine ist. Stimmen im Kopf. Rauschen im Ohr. Störgeräusche im Herz.

Mit dem Mund voller Blut lässt es sich schlecht sprechen. Denken. Fühlen.

Ich liege da und erwarte das Eintreffen der einschläfernden Wirkung der Schmerztabletten wie einen um Stunden verspäteten Zug  an einem einsamen Bahnsteig, ungeduldig von einem Bein aufs andere tretend. Stundenlang scheint nichts zu geschehen. Das Pochen im Hals hält mich wach.

-Hm, sage ich. Mehr geht nicht. Blut tropft aus meinem Mundwinkel, bahnt sich den Weg übers Kinn und fällt bleischwer auf das weiße Laken.
Die Tage sind lang, voller Entbehrungen und ohne jenen Inhalt, der das Leben zu dem macht, was es sein sollte. Ein bisschen so wie zuvor, nur jetzt mit einer Nadel im Arm. Du sitzt da und starrst mich an, als sei ich bald nicht mehr da. Wir beide wissen, dass das Blödsinn ist. Ich werde hier sein, heute und morgen und übermorgen. Aber die Schönheit der Melodramatik lässt dich eine Szene ganz nach deinem Geschmack inszenieren: Wie schön wäre es, mich fast zu verlieren, nur fast, und mich schlussendlich doch behalten zu dürfen. Let’s pretend happy end. Du greifst nach meiner Hand und legst die Stirn in Falten. Solltest du anfangen zu weinen, werde ich dich hinauswerfen und dir verbieten, wieder zu kommen.
Aber so weit kommt es nicht.

Die Zeit scheint eingefroren zu sein, alles steht still, alles hat Pause, die Zeichen stehen auf Standby. Bitte warten Sie einen Moment, es geht gleich weiter. Es besteht kein Anlass zur Beunruhigung. Das nächste freie Leben ist gleich für Sie da. Ich hoffe, es ist ein anderes als das, mit dem ich zuvor jahrelang verbunden war, in einer Standleitung und Dauerverbindung, die mich ermüdete und in dem sich auf beiden Seiten gähnende Langeweile und Unzufriedenheit ausbreitete wie ein flauschiger Teppich, auf den man sich legt, in dem man versinkt und aus dessen weichen Fasern man nicht mehr aufstehen kann. Selbst die permanent lauter werdenden Störgeräusche konnten mich nicht dazu bringen, aufzustehen, den Hörer aufzuhängen, eine neue Nummer zu wählen, das Gespräch von vorn zu beginnen. Das Rauschen in der Leitung fügte mir Schmerzen zu und ließ mich beinahe taub werden, und plötzlich war die Leitung tot. Das Atmen wurde schwer.

-Bekommen Sie noch Luft?

Ich lege eine Wange an den Eisblock der gefrorenen Zeit und warte, bis er taut, bis sich eine Pfütze unter der Zeit gebildet hat und sie weiterlaufen kann. So lange kann ich die Augen schließen und verschwinden, die Zeiger der Uhr stehen still. Ich kann fortbleiben, bis sie sich wieder bewegen, zwischen den weißen Laken und Wänden verschwinden wie ein Chamäleon im Regenwald. Verschwunden sein heißt entrückt sein heißt frei sein. Für den Moment nicht existieren, sich selbst auslöschen. Alles löst sich auf in Einzelteile, in Komponenten, die in ihrer Isolation fremd wirken. Und danach stellt sich alles neu auf: Dinge, die überlebenswichtig waren, gehen verloren. Ich weine ihnen nicht nach und winke ihnen nicht hinterher. Es ist, als seien sie nie dagewesen.
Die Einsamkeit greift um sich, ich weiche ihr aus und kehre zurück.
Ich öffne die Augen und bin zurück, der Kopf ist wie leergeräumt. Es fühlt sich an wie nicht real.

Die Suche nach dem Sinn.

Everything happens for a reason.

Es gibt keinen Ort, an den ich zurück kann. Ich schwebe im luftleeren Raum, im Nirgendwo, das ich bereits kommen sah, dem ich versuchte auszuweichen, doch jetzt ist es endgültig, die Türen sind zugefallen. Es ist dunkel. Ich muss neu anfangen und will mich festhalten, doch da ist nichts. Gefangen im eigenen Selbst will ich weglaufen, doch es gibt keinen Boden, auf den ich die Füße aufsetzen könnte.

Mitten in der Nacht wache ich auf und lausche der Stille. Ich will an dich denken, aber du bist nicht mehr da.

2 Gedanken zu “In this light and on this evening

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