Paradise comes at a price that I am not prepared to pay.

(Bild via)

Schön zu erfahren, dass du noch zu Gefühlen fähig bist, doch die Erkenntnis trifft dich in unangemessener Härte. Bevor du die Hände schützend vors Gesicht halten kannst, schlägt sie an dir auf.

I drew a heart around the name of your city …

Es trifft dich nicht wie der Blitz, nicht wie ein Pfeil oder ein Lichtstrahl, der sich den Weg durch die dicke Wolkendecke bahnt und der dich, nur dich meint. Es spielt keine Musik, es kündigt sich nicht an, nicht durch Schritte oder ein unterdrücktes Niesen. Du konntest kaum seine Silhouette erahnen, da stand es schon direkt vor dir. Jetzt fühlst du seinen Atem in deinem Gesicht. Und dann verprügelt es dich. Urplötzlich packt es dich am Kragen, schleudert dich herum, schlägt dir alle Zähne aus, rammt dir das Knie in den Bauch und ein Messer zwischen die Rippen. In einer dunklen Ecke des Raums lässt es dich liegen, lässt dich vollständig ausbluten. Dein ausgeprägter Hang zur Melodramatik tut sein Übriges, um dich innerlich absterben zu lassen wie eine Topfpflanze, die nicht mehr gegossen wird.

Kalt ist es. Die aufgeplatzten Lippen sind blau und der Rest des Körpers wie vereist, stocksteif und eiskalt und ohne jede Regung. Schon von hier aus könntest du wissen: Die Sonne wird wiederkommen und alles wärmen und dann stehst du auf und gehst, ohne auch nur ein einziges Mal einen Blick zurück zu werfen. Aber vorher, da liegst du da noch. Und während du da noch liegst, schießen dir die immer gleichen Gedanken durch den Kopf, kreuz und quer und zurück, kaum hast du sie verjagt, sind sie wieder da und quälen dich weiter. Dein Leben scheint zu Ende, bevor es richtig begonnen hat, dein Dasein erscheint dir schmerzhaft sinnlos, du zweifelst noch, ob du froh darüber sein sollst, dass gleich alles vorbei sein wird – oder traurig, denn vielleicht hätte alles irgendwann einmal besser kommen können. Vielleicht hättest du nur den Arm ausstrecken müssen nach der Hoffnung, und alles wäre besser gelaufen.

Du kannst dich nicht entscheiden.

Du hast es kommen sehen, es passiert immer wieder, und jedes Mal die Erwartung an dich selbst: Das nächste Mal, da bin ich vorbereitet. Da trete ich zurück, ich beiße und schlage und kratze und reiße so viele Haare aus, wie ich kann. Das nächste Mal bin ich die Gewinnerin. Das nächste Mal bin ich vorbereitet.

Doch die Lage ist noch nicht entschärft, der Ausgang ungewiss. Mit Spannung erwarten wir die finale Szene des Spiels. Du bleibst liegen und blutest plötzlich wieder, obwohl du doch eigentlich schon ganz leer und weiß und kalt bist. Doch das Herz beginnt wieder zu schlagen, die Haut nimmt wieder Farbe an. Naturgewalten können über dir hereinbrechen, du würdest sie nicht einmal bemerken. Du weißt es. So beschäftigt bist du mit dir selbst. Die Welt dreht sich weiter, aber ohne dich. Um dich herum ist es still. Nie zuvor hast du etwas derart Schlimmes erlebt. Zumindest nicht seit dem letzten Mal.

Wer Wunden hat, kann Wunden lecken.

Alle Wunden heilen, vor allem die, die du dir selbst zufügst und die, die du erst noch erwartest und die dir am Ende gar nicht zugefügt werden, auch wenn du noch so lange auf sie wartest. Die hinterlassen nicht einmal Narben. Schade, denkst du und schließt die Augen.

And you thought you could change the world by opening your legs …

Stunden scheinen zu vergehen. Dann reißt du die Augen auf, dein Mund verzieht sich zu einem Grinsen. Mit Bedacht erhebst du dich vom Boden und schaust an dir herunter. Das Kunstblut ist getrocknet und hat auf dem billigen Laminat unschöne Spuren hinterlassen. Du ziehst die schusssichere Weste aus, nimmst den Helm vom Kopf, streifst die Knieschützer ab und klopfst dir den Staub von der Hose. Den Mundschutz spuckst du auf den Boden.

This time, baby, I’ll be ….

Und dann gehst du. Ohne eine weitere Sekunde über alles nachzudenken, setzt du einen Fuß vor den anderen, du öffnest die Tür, das Tageslicht nimmt dir für einen kurzen Moment die Sicht. Du wischst dir die letzten Tränen aus den Augenwinkeln und schließt die Tür hinter dir, ohne dich umzudrehen. Und kommst nie wieder. Zumindest nicht bis zum nächsten Mal.

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