Good morning Herr Horst.

Ganz schlechtes Timing mit Horsti™ und mir in dieser Woche.

Dabei fing alles so vielversprechend an.

Anfang der Woche: Mit zitternden Fingern und pulsierenden Schläfen die vierstellige Durchwahl gewählt. Tuten in der Leitung. Nochmal. Nochmal und nochmal und nochmal. Aufgelegt. Horsti™ wohl nicht am Platz, sondern im Haus unterwegs. Atmen, Frollein, atmen! Also nochmal mindestens zehn Minuten, eher zwanzig, um sich etwas witziges zu überlegen, was man sagen könnte.

Kurz darauf sehe ich ihn auch schon an meinem Fenster vorbeilaufen, wie immer sieht er aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Wunderschön. Ich starre ihm hinterher, mein Herz pocht ganz aufgeregt, als er durch die Tür des gegenüberliegenden Produktionswerks verschwindet. Dunkle Jeans, helles Hemd, darüber ein schwarzer Pullover. Herzallerliebst, und so individuell. Statistisch gesehen dauert es jetzt 11 Minuten, bis die Tür wieder aufschwingt und er den Weg zurück zu seinem Büro antritt. Die Statistik habe ich selbst aufgestellt. Für sowas ist so ein Praktikum ja da. Wenn man von außen keine Aufgaben bekommt, überlegt man sich eben selbst welche. Ich starre aus dem Fenster, als gäbe es dort draußen spektakuläre Artistik-Darbietungen von grün angemalten Seehunden zu sehen. Meine Finger trommeln ungeduldig auf der Schreibtischunterlage und lassen eine gleichmäßige Geräuschkulisse entstehen. Ich zwinge mich dazu, damit aufzuhören, schließlich sind noch andere Menschen im Büro. Arbeiten tun sie zwar nicht, dementsprechend kann ich sie mit meinen Trommelkünsten auch nicht dabei stören. Aber man will ja nicht auffallen. Nicht auszudenken, wenn hier jemand von meiner Obsession für einen Mitarbeiter erfahren würde. Was für ein Skandal.

Mein Blick wandert wieder auf meinen Bildschirm, auf dem es nichts zu sehen gibt. Aus Mangel an alternativen Beschäftigungen ziehe ich mit der Maus Vierecke auf dem Desktop.

Die liebste Praktikantenkollegin, leider bereits durch die Ziellinie gelaufen und deshalb nicht mehr Teil meines aufregenden Arbeitsalltages, sagt immer, Horsti™ geht bestimmt zur Maniküre und stutzt jeden Morgen aufs Genaueste seinen Drei-Tage-Bart, damit auch kein Haar falsch liegt oder zu lang wird. Und dass, wenn es den Begriff „metrosexuell“ noch nicht gäbe, man ihn für Horsti™ erfinden müsste. Ich sehe das nicht so.  Für mich ist Horsti™ ein Supertyp und eine Naturschönheit und von Geburt an mit naturschönen Wimpern ausgestattet. Ja, ich bin eine Wimpern-Fetischistin, ich gestehe. Ohne schöne Wimpern geht gar nichts im Leben, davon bin ich überzeugt. Wer erfolgreich sein will, braucht schöne Wimpern. Schöne Wimpern sind: Lang und dunkel und in großer Zahl vorhanden. All das trifft bei Horsti™ zu. Aber dafür kann er ja nichts. Schönheit sucht man sich ja nicht aus.

Die Tür des Produktionswerks geht auf und da läuft er auch schon, gewohnt lässig, zurück. Wieder Herzklopfen. Ach Horsti™, komm doch mal wieder in der Personalabteilung vorbei. Er sieht mich von Weitem an meinem Platz sitzen und lächelt. Der Tag ist gerettet, ich werde auch heute wieder nicht vor Langeweile sterben, weil mein Herz bei seinem Anblick nicht zum Stillstand kommen kann. Und später werden wir auch noch telefonieren! Was für ein nervenaufreibender, spannender Tag!

Kurz darauf: Wieder die Durchwahl. Ich kann sie jetzt auswendig. Vorsichtig drücke ich mit dem Zeigefinger auf die Tasten. Herzklopfen. Tuten in der Leitung, wie immer. Aber sie glüht, die Leitung, ich kann es fühlen. Hoffentlich sprühen die Funken nicht zu sehr, sonst gibt es hier noch ein Feuer.  Und da ist er auch schon dran. Es ist soweit.

Ich hole kurz Luft und sage: „Hallo, hier ist Frollein Von und Zu aus der Personalabteilung. Wir brauchen noch Ihre Lohnsteuerkarte für dieses Jahr.“

Ach Horsti™. Am Montag sehen wir uns wieder. Kommst du dann vorbei?

3 Gedanken zu “Good morning Herr Horst.

  1. Gut für mich, da musste ich nicht so viel nachlesen😉

    Ahja, jeder Blogger kennt das. Harrcore ist auch mittlerweile bestimmt mein sechster Anlauf. Ich hoffe, dass es nur einen geben wird, wenn ich mal von blogspot umziehe. Ansonsten bin ich zufrieden.

    Echt? Na, dann „kennst“ du mich ja schon viel länger, ist ja ungerecht. x)

  2. Das Bild ist eher kleiner, geschätze 15×15 cm.

    Naja, Hirsche sind ja nicht dass einzige, was man jagen kann😉 Es gibt ja auch… also… ja, Wildschweine… und joa… andere Schweine mit Schwänzen😀

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